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Ausbildungsjahr 2007

Ausbildungspakt übererfüllt – doch Jugendlichen ist nicht geholfen

(dgb-jugend, 31.1.08) Die Wirtschaft jubelt: Das Paktjahr 2007 ist ein Rekordjahr! Die Ausbildungslücke zwischen Bewerbern und Ausbildungsstellen ist geschlossen! Und sogar eine Verkehrung der Verhältnisse tritt offensichtlich zu Tage: „Die Unternehmen finden immer häufiger keine geeigneten BewerberInnen für ihre Ausbildungsangebote.“, so Martin von Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Ein Traum für jeden Ausbildungsplatzsuchenden? Bei weitem gefehlt – das Gegenteil ist der Fall. Sieht man einmal von den Jubelmeldungen der Paktpartner ab, so trifft man eher auf Ernüchterung als auf Euphorie. Sicher, alle selbstgesteckten Ziele der Ausbildungspartner wurden erfüllt und sogar übererfüllt. Das ist erfreulich, doch bedeuten 90.000 neue Ausbildungsplätze noch lange nicht 90.000 zusätzliche Ausbildungsplätze. Viele Betriebe kommen hinzu, doch viele Betriebe ziehen sich auch aus der Ausbildung zurück. Anders ist die Stagnation des Anteils der Ausbildungsbetriebe (zwischen 23 und 24 Prozent über die letzten Jahre) nicht zu erklären.
 
Hinzu kommt, dass der größte Zuwachs an Ausbildungsplätzen außerbetrieblich – und damit staatlich finanziert ist. Allein am Verhältnis von Schulabgängern zu Ausbildungsplätzen ist ablesbar, dass sich für die Jugendlichen keine Entspannung beim Thema Ausbildungsplatzsuche abzeichnet. Während 1992 760.000 Absolventinnen und Absolventen aus den allgemein bildenden Schulformen noch rund 595.000 Ausbildungsverträge abschließen konnten, erreichten 2007 von 946.200 Absolventinnen und Absolventen 625.000 ein Ausbildungsverhältnis. Der Steigerung der Ausbildungsverträge steht eine wesentlich größere Nachfrage von jungen Menschen gegenüber. Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen ist also weiter unzureichend.

Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Altbewerberinnen und -bewerber aus den vergangenen Jahren auf der Suche sind. Mit bundesweit rund 385.000 Personen stellen sie inzwischen mehr als die Hälfte aller registrierten Bewerber und Bewerberinnen.
 
Der Anspruch der Wirtschaft und die Wirklichkeit der Jugendlichen klaffen somit weit auseinander. Noch immer schreiben Tausende von Jugendlichen vergeblich Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz. Von ausreichenden Perspektiven für eine berufliche Zukunft der Jugendlichen sind wir noch weit entfernt.

Dass freiwillige Vereinbarungen wie der Ausbildungspakt wenig taugen, um die Situation konjunkturunabhängig für alle Ausbildungssuchenden nachhaltig zu verbessern, zeigt die Jubelbilanz der Paktpartner, die in den Augen vieler Jugendlicher bizarr klingen muss. Umso mehr ist die Forderung nach einer gesetzlichen Lösung zu unterstützen, nach der Betriebe entweder Ausbildungsplätze anbieten, oder sich an den Ausbildungskosten anderer Betriebe beteiligen müssen.

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